Galizien

Geduld haben und Silber trinken!

...In der vorletzten Woche hatten wir hohen Besuch von unserem guten Freund Andre. Welche tollen Orte wir ihm gezeigt haben, warum ich jetzt erst dazu gekommen bin den Blog zu schreiben und wo wir jetzt gelandet sind, das lest ihr hier...

 

Vor zwei Wochen am Sonntag kam Andre am Flughafen Bilbao an. Dank ihm hatte ich nun endlich mein lang ersehntes Fahrrad, was meine Mutter mir in Hannover gekauft hatte. Nach der Ausgabe der ganzen Mitbringsel aus Deutschland, ging es gestärkt mit einem Bier zuerst in Richtung Playa de Vega. Dort waren wir einige Tage zuvor und da das Wetter in Bilbao zu wünschen übrig lies, fuhren wir knapp 200km weiter. Dort angekommen war es gegen Nachmittag und das Wetter leider auch nicht besser, als in Bilbao. Den restlichen Tag nutzen wir mit plaudern, Yatzi spielen und Filme gucken. Die darauffolgenden Tage wurde das Wetter wieder besser.

Wir verbrachten den Großteil am Strand, um André seine wohlverdiente Entspannung zu gönnen. Als das Wetter in Vega umschlug, boten wir André an, nach Liencres zu fahren, um wieder mal etwas Anderes zu sehen. Die Sachen wurden gepackt und los ging es. Wir fuhren zuerst einmal nach Liencres zum Supermarkt und wuschen unsere Wäsche, die längst überfällig war :-D. Nach einem kleinen Einkauf fuhren wir wieder an den Hippie Strand. André war sofort begeistert von dem Ort. Wir gingen eine Runde mit Turner und machten es uns dann gemütlich im Wohnmobil mit leckerer gebratenen Chorizo und Pimientos de Padron. Am nächsten Morgen war das Wetter schön, nur die Wellen leider nicht so gut. Also wurde aus dem Tag ein Strandtag. Gegen Mittag guckte ich nach Turner, ging eine Runde mit ihm und brachte den Jungs und mir dann einen Snack und etwas kühles zu trinken an den Strand.

Am letzten Abend in Liencres lernten wir den Besitzer der kleinen Strandbar “Al otro Lado” kennen und unterhielten uns über Land und Leute. Schade nur das wir am nächsten Morgen nach Sopelana aufbrachen. Auf dem Weg dorthin schlug das Wetter wieder um und es zog sich zu. Der Campingplatz, auf dem wir uns in Sopelana unterbringen wollten, war schon voll belegt, also blieb uns nur noch der Parkplatz am Strand. Nach einer kleinen Führung durch das kleine Örtchen und dem Strand gingen wir einen Cocktail in der Strandbar “ El penon” trinken und schauten uns entspannt den Sonnenuntergang an (welcher ein Traum in Sopelana ist). Sonntag wurde das Wetter endlich nochmal richtig klasse, sodass wir den halben Tag am Strand verbrachten. Ein wenig Welle ging auch und das nutzten wir, um einige Wellen zu surfen. Den letzten Abend zusammen verbrachten wir mit einem leckeren Essen und einigen Dosen Bier :)! Nach der letzten Nacht für Andre hieß es dann auch schon wieder “Lebwohl” sagen. Wir brachten André nach Bilbao zum Flughafen und nach einem gemeinsamen Foto und einer kurzen aber herzlichen Verabschiedung ging es für ihn in Richtung Hannover und für uns für zwei weitere Nächte nach Liencres.

Kaum waren wir in Liencres angekommen, war wieder schlechtes Wetter. Also retteten wir beide uns in die Bar und tranken etwas. Zu diesem Zeitpunkt waren ca. 10 Leute in der Bar, als plötzlich einer der Gäste anfing lauthals ein Lied auf Spanisch zu trällern, Gänsehautfeeling inklusive! Der Oberknaller! Wir waren so beeindruckt von diesem sehr unauffälligen Kerl, der in seinen abgenutzten Klamotten gerade wie der nächste Superstar gesungen hatte und baten ihn um einen weiteren Song. Also sang er noch einen Song der auch total schön war. Alles in allem ein super netter Abend. Am nächsten Morgen kam der Chef auf uns zu und wir unterhielten uns über den vorherigen Abend. Dann kam ich darauf, dass Stephan auch mal in einer Band Sänger war und der Chef zog ihn sofort rüber zum Piano. Er bat mich als Stephans “Managerin” , 1 Song auf dem Piano und 5 auf der Gitarre einzustudieren. Bis wann, fragte ich? “Hasta domingo”, was Sonntag war. In 5 Tagen war das unmöglich aber der Chef hielt daran fest und gab uns den ganzen Tag Getränke und Essen aus, was natürlich super lieb war. Am Ende des Abends gingen wir mit einem super Gefühl ins Bett.

Am nächsten Morgen teilten wir dem Chef mit das wir das bis Sonntag nicht wirklich schaffen konnten und verabschiedeten uns. Wir fuhren in die Nähe von Gijon, da wir noch eine Anzeige für unsere Solaranlage brauchten. Nachdem wir diese besorgt hatten, fuhren wir nördlich von Avielles in den oberen Teil nach Verdicio. Ein traumhaft schöner Spot, wo man praktisch direkt an der Klippe stehen kann und das für 5€ für den ganzen Tag und die Nacht. Dort gibt es zwei kleine Strandbars mit Toiletten die man nutzen konnte und sehr schöne Wanderwege, die einen atemberaunden Blick versprachen! Am Abend kam eine gefühlte 100 Jahre alte nette Dame über das Feld gelaufen, sprang über den kleinen Graben und holte ihre drei Tüten hervor, in der sich Salatköpfe und Zwiebeln befanden. Da wir nicht wirklich viel Zutaten für den Salat hatten, fiel unsere Wahl dann auf 6 kleine Zwiebeln, die uns um 2€ ärmer machten aber ein Lächeln auf die Lippen der alten Dame brachte. Der Sonnenuntergang im Alkhoven vom Bett aus dem Fenster, war der Wahnsinn! Am nächsten Morgen ging es für mich eine Runde joggen bis hinauf auf den Berg. Der Ausblick und diese Stille am Morgen waren einfach herrlich :). Nach einem kleinen Frühstück entschieden wir uns für die Weiterfahrt. Nach einigen besichtigten Spots und wunderschönen kleinen Dörfern kamen wir schliesslich in Playa de Cueva an. An dem Spot konnte man ohne einen Cent übernachten. Der Strand war teils aus Steinen und teils aus Sand. Die Wellen an dem Tag waren zwar klein, aber trotzdem lies sich Stephan eine kleine Surfsession nicht entgehen, während ich fleissig Fotos machte. Auf dem Wasser lernte Stephan Ben kennen. Er und seine Freundin Manou kamen aus Südtirol/Österreich und waren bereits seit einem Monat unterwegs. Sie waren von Frankreich – Südspanien – Marokko – Portugal bis nach Asturien gefahren. Den Abend ließen wir zusammen bei einem Lagerfeuer und ein paar kühlen Getränken ausklingen. Da die beiden am nächsten Nachmittag los wollten, verbrachten wir den nächsten Vormittag auch noch bei ihnen am Camper.

Als Ben und Manou weg waren entschieden wir uns auch weiterzufahren. Wir fuhren von Playa de Cueva über die Landstraße und weiter in Richtung Westen. Die Spots Otur, Frejulfe und auch Tapia waren entweder zu überlaufen oder man konnte dort nicht schön stehen. Am Abend erreichten wir Penarronda, welches der letze Sport in Asturien war. Der kleine Parkplatz war relativ leer und wir waren weit und breit die einzigen Deutschen dort. Duschen, Toiletten und ein kleines Restaurant nebenan. Und der Strand war um diese Uhrzeit wie ausgestorben. Stephan ging es seit einigen Tagen nicht so gut und wir machten uns langsam Gedanken, Stephan hatte einige Tage zuvor eine rote Stelle am Bauch entdeckt, welche aussah wie kleine Insektenstiche und hatte zusätzlich einen kleinen Gnubbel an der Leiste. Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Nackenschmerzen, machten ihm zusätzlich zu schaffen. Am nächsten Morgen  ging es ihm immer noch nicht wirklich besser, sodass wir uns entschieden nicht allzuweit zu fahren. Nachdem wir einen kurzen Abstecher zum Playa de Bares (welcher der nörderlichste Punkt Spaniens ist), ging es für uns an eine kleine Bucht an der Westküste. An dem kleinen Parkplatz waren wir im letzten Jahr schon gestrandet. Welle war nicht wirklich da :(. Um so später der Abend, um so mehr leerte sich der Parkplatz. Am Abend unternahmen wir einen kleinen Spaziergang zum Strand, an dem Turner sich mal wieder richtig auslassen konnte. Den Morgen startete ich mit einer kleinen Yogasession.

Da wir so langsam Sorge bekamen, da Stephans Zustand immer schlechter wurde, fuhren wir nach A Coruna in die Stadt, um dort im Krankenhaus in eine Notaufnahme zu gehen. Die Aufnahme der Daten ging mit meinem gebrochenen Spanisch und gutem Englisch relativ gut. Schon nach einigen Minuten wurden wir in den ersten Raum gebracht, wo Stephan erläutern sollte, was denn passiert sei. Nachdem Stephan ausführlich erklärt hatte, was passiert war, wurden wir in einen Behandlungsraum gebracht. Dort wurde der Blutdruck gemessen, die Stellen untersucht, eine Urinprobe entnommen, Bluttests gemacht und ein Funktionstest gemacht. Dann wurde Stephan im Rollstuhl zum MRT geschoben und es wurden weitere Scans gemacht. Danach ging es in einen Wartesaal, wo Stephan mit seiner zweiten Dosis Paracethamol alleine sitzen bleiben musste. Bis dahin waren wir knapp 1 1/2 Stunden im Krankenhaus. Weitere 3 Stunden später kam Stephan endlich wieder zum Wohnmobil. Das Fazit: Ein drei Seiten langer Bericht und keiner war da gewesen, der ihm richtig erläutern konnte, was los war. Dort stand nur, dass Stephan wohl Spannungsschmerzen aus dem Nacken hatte.

Wir fragten einige Freunde, die gut spanisch konnten, ob dort vielleicht noch etwas anderes stand. Aber das war nicht der Fall. Da wir mit Benjamin (den wir in Liencres kennengelernt hatten), am Montag in Santiago de Compostela verabredet waren, fuhren wir Abend noch bis nach Santiago und checkten auf einem Campingplatz ein. Die Nacht war der Horror und ab 5 Uhr morgens ging es Stephan nochmal schlechter. Mittelweile hatte er sich schon einige Male übergeben. Wir mussten auf jeden Fall noch einmal eine andere Meinung einholen. Nur wie finde ich einen deutschen Arzt dem ich erklären kann, was das Problem ist? Also kramte ich mein Handy heraus und suchte nach dem passenden Arzt. Fehlanzeige! Dort kam ich nicht weiter. Dann rief ich bei dem deutschen Konsulat in Madrid an, die mir aber auch nicht weiterhelfen konnten, da in Vigo (unseren Bezirk), wo sich auch eine deutsche Botschaft befand, Feiertage waren und sie dort niemanden erreichen konnte. Also sah ich die letzte Chance in unserer Krankenversicherung (Protrip von Dr. Walter) und rief in Deutschland an. Die nette Dame am Telefon nahm die Daten auf und versprach einen kurzfristigen Rückruf. Leider ließ der eine Stunde Zeit, die wir nicht hatten. Also rief ich nochmals an um nachzufragen, wie dort der Stand der Dinge ist. Ich wurde mit einer netten Dame (auch Spanierin) verbunden, die mir keinen deutschen Arzt nennen konnte, aber mich darauf hinwies, dass in den privaten Kliniken immer Englisch gesprochen werden muss. Also suchte sie mir die nächstgelegene raus und bat mich, mich zu melden, sollte ich Hilfe auf Spanisch benötigen. Der Hammer! Also rief ich ein Taxi an und wir fuhren dorthin. Gott sei Dank war das Wetter nicht so schön und wir konnten Turner erst einmal im Auto lassen.

 Am Empfang angekommen, schilderten wir unsere Situation und schon wenige Momente später holte uns die Assistenzärztin Sara ab. Schon einmal vorab erwähnenswert, dass diese Frau alles für uns gegeben hat, in den Stunden wo wir echt nicht mehr weiter wussten. Sie erklärte uns, dass Stephan nochmal untersucht werden würde und sie das im Vorfeld alles mit der Krankenversicherung abklären würde. Wir bräuchten uns um nichts zu kümmern. Nach 30 Minuten Wartezeit kam sie uns abholen und brachte uns in einen kleinen Raum wo sich mehrere abgetrennte Betten befanden. Wir schilderten nochmals auf Englisch was passiert war und der Arzt bekam die Info dann auf Spanisch von Sara. Dann untersuchte der Arzt Stephan.

Die beiden Ärzte unterhielten sich und stellten dann die Diagnose, dass es sich um eine Gürtelrose handelte. Diese Flecken am Bauch und am Rücken haben alles andere ausgelöst, was schlüssig war, da diese zuerst da waren. Dabei sind anscheinend grippeähnliche Symptome normal. Endlich hatten wir die Gewissheit einer was Stephan so plagte. Stephan und mir fiel ein Stein vom Herzen. Wenn man in einem fremden Land krank ist, hat man das Gefühl, man fängt von vorne an. Von der Suche eines Arztes bis zur Diagnose. Diese Privatklinik hat uns diesen Tag echt gerettet und mit Sara an unserer Seite fühlten wir uns gleich noch viel wohler.

So gut wurden wir bislang nicht einmal in Deutschland behandelt. Sie war immer hinterher, das wir schnellstmöglich eine Diagnose bekamen. Danke Sara. Nach einer netten Verabschiedung am Empfang und um 309,00€ leichter, stiegen wir ins Taxi und fuhren zur Apotheke, wo ich die Medikamente für Stephan besorgte. Dann rief Benjamin an, dass er in Santiago angekommen sei und wo wir wären. Er kam zu uns auf den Campingplatz. Es waren schon einige Wochen vergangen, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen hatten. Nach einem Abendessen und einigen Stunden mit Medikamenten besserte sich Stephans Zustand wieder. Fertig von dem anstrengenden Tagen fielen wir am Abend kapputt ins Bett.

Montag Morgen planten wir, nach einem kleinen Spaziergang mit Turner, den Tag. Stephans Körper hatte gut auf die Medikamente reagiert. Um nicht zu weit von der Privatklinik entfernt zu sein, entschieden wir uns nach einer kurzen Besichtigung der Kathedrale in Santiago an die Westküste zu fahren, was nur 70 km entfernt lag. Da ein Feiertag war, konnte man leider noch nicht direkt am Strand stehen und blieben auf einem nahegelegenen Parkplatz stehen und schlugen dort unser Nachtlager auf.

Benny gab Stephan sein kleines Wundermittel was eine Bekannte von ihm selbst zusammen gemischt hatte. Das "Silber" sollte seinen Heilprozess noch weiter beschleunigen. Stephan blieb bis auf weiteres im Bett und für mich und Benjamin wurde es ein kurzer entspannter Abend. Mittwoch Morgen ließen wir Stephan weiterhin im Bett und fuhren in einen nahegelegenen Ort, um dort unsere Wäsche zu waschen und einkaufen zu gehen.. Zurück beim Wohnmobil räumte ich unser Wohnmobil auf verbrachten den restlichen Tag am Wohnmobil da keine Welle ging. Am nächsten Morgen ging es in das ca. 100Km entfernte Pantos. Dort blieben wir für den restlichen Tag und ich surfte mit Benny einige Wellen. Nun war es an der Zeit weitere Abenteuer zu erleben und uns auf nach Portugal zu machen.

In 2 1/2 Wochen bekommen wir Besuch von Fabian und Basti aus Deutschland. Die beiden werden wir in Porto einsammeln, um dann mit den beiden ein wenig durch Portugal zu reisen. Die nächsten Tage und Wochen werden wir nutzen, um mit Benjamin noch einige Spots zu sichten. Nun müssen wir gucken wie gut es Stephan in den nächsten Tagen geht.

 

Merke:

 

  1. Wende dich im Krankheitsfall immer an die Deutsche Botschaft im jeweiligen Land.

  2. Sollte dies nicht funktionieren such nach einer Privatklinik. Dort musst du vielleicht auch erst einmal selber zahlen aber kannst sicher gehen, dass die Leute dich dort mit Englisch verstehen werden.

  3. Lass dich von all den negativen Gedanken nicht runter ziehen und verscuh klar zu bleiben und nicht durchzudrehen. Es gibt immer eine Lösung.

Bis zu unseren nächsten Erlebnissen in Portugal!