Unser zweiter Job in Andalusien

Workaway Dogrescue -                                                Zwischen Hilfe und Hilflosigkeit

So hatten wir uns das alles sicher nicht vorgestellt, als wir uns bei Paula in Alhaurin el Grande zum Workaway angemeldet hatten. Wir scheuten uns nicht vor Arbeit und es war uns bewusst, dass wir bei dieser Arbeit keinen Bürojob ausführen, aber hierbei ging es nicht nur um Hundehaufen einsammeln und Tiere verpflegen.

Hier wurde uns sehr schnell bewusst, dass Hilfe auch hilflos machen kann und das wir eine Familie unterstützen, die schon vor langer Zeit an ihre Grenzen gekommen war. Wir lernten Paula, unsere Chefin für zwei Wochen, über die Internetseite www.workaway.info kennen und stellten uns per Whatsapp Videocall vor. Wir freuten uns einen Job anzunehmen, bei dem wir das Gefühl hatten, dass wir etwas bewirken können. Als wir Paula, ihre Tochter und dessen Freund dann kennenlernten, schien alles sehr kühl. Was für uns etwas befremdlich wirkte, da wir ja zum helfen gekommen waren und uns eigentlich gedacht hätten, dass man sich über unsere Hilfe freut. Nach einigen Worten des Vorstellens erzählte uns Paula, dass sie vor 16 Jahren nach Andalusien gekommen war und jetzt nunmehr am Ende ist. Sie hatte keinen Urlaub, nie einen freien Tag und hat auch erst vor 1,5 Jahren angefangen mit Workawayers zu arbeiten. Sie ging mit uns über ihr Grundstück und wir wussten sofort, dass wir mehr leisten wollten als wir laut Ausschreibung mussten.


In Deutschland würde man von Betriebsblindheit sprechen wenn einem Geschäftsinhaber alles über den Kopf wächst und irgendwann beginnt das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Wir fühlten, dass Paula irgendwann mal den Anschluss verpasst hatte - den Anschluss Ordnung zu halten und einen Überblick darüber zu bekommen, was man grundsätzlich tun möchte - nämlich zu helfen. Ohne jegliche Einweisung erarbeiteten wir uns eine Strategie, um 22 Hunden ihr Futter zu geben, den Hof und die Zwinger zu reinigen und eine Ordung zu schaffen. Anstatt die geforderten 4-5 Stunden waren wir in den ersten Tagen 7-9 Stunden am arbeiten um eine Basis für die Zeit zu schaffen, wenn wir nicht mehr da sind.

Erst die Tiere, dann das Durcheinander. Es wurde ausgemistet, aufgeräumt, Müll entsorgt, sauber gemacht, Gartenarbeit erledigt und handwerkliche Tätigkeiten ausgeführt, die einfach sein mussten. Nach knapp einer Woche stand dann eine lächelnde Paula vor uns, die begeistert von dem Anblick ihres eigenen Grundstückes war. Natürlich wurden kleinere Fehler gemacht. Ein Hund sollte kastriert werden und durfte morgens nichts fressen. Da man uns diesen Hund nicht gezeigt hatte und es keine Namensschilder gab war uns da ein Fehler unterlaufen und die Kastration musste um einen Tag verschoben werden. Es wurde ein falscher Wasserhahn geöffnet und die Pferdekoppel hatte zu viel Wasser abbekommen. Das Diätfutter wurde dem falschem Hund gegeben weil der falsche Hund im falschem Zwinger saß.

Es ist halt manchmal zu aufwendig, jemandem Dinge zu zeigen - leichter sie falsch zu erklären.

 

Nachdem wir nun die erste Woche durchgezogen hatten, sodass wir meinten es wäre eine grundlegende Ordnung vorhanden konnten wir uns jetzt etwas zurücknehmen und uns auf die wesentlichen Arbeiten konzentrieren. Wir schafften es jetzt mittlerweile, in zwei Stunden am Morgen und zwei Stunden am Abend alles zu erledigen und uns zwischendurch noch mit den lieben Tieren zu beschäftigen. So wie es eigentlich sein sollte. Wer schon mal Erfahrung mit dem Workaway Dasein hatte, der weiss, dass in den meisten Fällen kein Geld zum Ausgleich seiner Arbeitskraft ausgezahlt wird. Hier wird meist für Essen und Unterkunft gearbeitet. Da hier nie zusammen gefrühstückt oder ein gemeinsames Abendessen gemacht wurde, war irgendwie jeder auf sich alleine gestellt. Aber wir durften unsere gewünschten Lebensmittel selber einkaufen :) Die Unterkunft nutzten wir nicht, da wir uns in unserem Wohnmobil "Jürgen" ja sehr wohlfühlten. Außerdem tat uns der Abstand nach getaner Arbeit auch sehr gut.

 Wenn wir jetzt nach 2 Wochen ein Resumé ziehen müssten, wäre uns ganz klar, dass der Hof wohl in einem Jahr wieder so aussieht, wie vor Beginn unserer Arbeit. Was sehr schade es ist, wir aber nicht ändern können. Wir haben einen guten Job gemacht, der hier für Mensch und Tier sehr wichtig war. Und dennoch sind wir froh wenn wir in den nächsten Tagen wieder unserem "Ausstieg" nachgehen können.

 Finanziell gelohnt hat sich dieses Workaway sicher nicht. Nach unserer Arbeit müssen erstmal ein paar neue Klamotten und Schuhe her. Aber es hat gut getan was gutes zu tun ob nun dem Menschen oder dem Tier.

So kommt ein hilfloser zur Hilfe - egal ob Mensch, ob Tier.