USA/Kanada

Von Boston auf nach Kanada – der steinige Weg ans Ziel

Die ersten Wochen waren problematischer als gedacht. Nach unserer Ankunft in Boston ging es super schnell und so hatten wir schon nach wenigen Tagen unser Wohnmobil für die weitere Reise gefunden. Was uns dann aber für Probleme erwarteten und wie die Reise weiterging, das lest ihr hier!

 Auf ein Problem folgen meist die nächsten. So erging es uns jedenfalls die erste Woche mit "Big B". Leider hatte Bill nicht so die Ahnung von seinem treuen Gefährt und so wurde die erste Woche zur Werkstattwoche. Nach unserer ersten Nacht auf dem wunderschönen Campingplatz ging es in Richtung Werkstatt die Freunden von Bill gehörte. Nach einer mehrstündigen Reperatur an dem Einfüllschlauch für das Benzin war das Problem gelöst. In der Nähe konnten wir einen RV Store ausfindig machen, der hoffentlich die anderen fehlenden Teile hatte. Die nette Chefin des RV Stores konnte uns sofort weiterhelfen. Uns war aufgefallen, dass beide Armaturen im Badezimmer defekt waren und wir eine neue Pumpe benötigten, da diese auch nicht mehr funktionierte. Da Stephan der Superklempner sich in dem Bereich ja sehr gut auskannte, waren die Probleme schnell behoben.

Um unseren Sticker (TÜV) zu bekommen mussten wir den nächsten Tag wieder zur Werkstatt. Für die Nacht ging es also wieder auf den Canoe River Campground. Die nette Dame am Empfang gab uns wieder den selben Platz wie die Nacht davor und wusste sogar noch wer ich war. Das die Preise auf allen Campingplätzen so teuer sind hätten wir vorher nicht gedacht. Am nächsten Morgen ging es gleich früh zur Werkstatt, wo sich der Zuständige gleich an die Überprüfung machte. Das Rücklicht schien nicht zu funktionieren und die Radaufhängungen und die Spurstangen mussten erneuert werden. Da an diesem Tag aber nicht mehr genügend Zeit war machten wir einen Termin für den nächsten Tag aus. Wir fuhren erneut zum RV Store herauszufinden ob einfach nur die Glühlampen für die Rücklichter defekt waren. Dem war Gott sei Dank so. Also wurden diese erneuert. Dieses Mal fuhren wir nah am RV Store auf einen KOA Campingplatz. Dieser war mit 58$ erheblich teurer als der, auf dem wir davor die Nächte verbracht hatten. Aber anders schien es hier in Amerika momentan nicht zu funktionieren. Jeder Walmart, den wir bis dato angefahren hatten hatte ein Schild mit "No Parking at Night" auf dem Parkplatz ausgestellt. Am nächsten Morgen ging es also ein drittes Mal zur Werkstatt. Nach einer 6 stündigen Reperatur erhielten wir endlich den lang ersehnten Sticker und hatten offiziell die Fahrerlaubnis (dieser Sticker muss übrigens innerhalb von 7 Tagen nach Kauf erworben sein. Ansonsten bekommt man sehr hohe Strafen. Und die Amerikaner sehen alles!). Nach einigen Milen fiel Stephan ein komisches Geräusch an der vorderen Seite auf. Das konnte doch nicht wahr sein! So viel Pech konnten wir doch nicht haben. Also telefonierten wir wieder mit der Werkstatt und bekamen wieder einen Termin für den nächsten Tag.

 Um nicht wieder auf einen Campingplatz übernachten zu müssen, versuchten wir es dieses mal mit einem "The Home Depot" (das sind die Baumärkte hier). Hier gab es kein deutliches Schild zum nichtparken bei Nacht und der Mitarbeiter konnte uns auch nicht wirklich sagen ob ja oder nein. Wir versuchten es also und warteten bis 22Uhr ab. Alles war ruhig also schliefen wir die Nacht in Ruhe auf dem Parkplatz. Am nächsten Morgen (Samstag) als wir ankamen überprüfte der Mitarbeiter die vordere Seite. Da die Werkstatt aber nur bis 13Uhr geöffnet hatte wurden wir auf Montag vertröstet. Wir fragten ob wir auf seinem Gelände der Werkstatt übernachten könnten und Bill, der Chef der Werkstatt, willigte ein. Die nächsten 1 1/2 Tage wurden mit viel Geduld und Gassigehen überstanden, da wir "Big B" auch nicht weiter bewegen sollten da vielleicht etwas an den Differenzialgelenken sein könnte und diese beim fahren eventuell brechen könnten. Turner genoss die viele Zeit mit ihm auf jeden Fall und wir konnten von all dem Stress ein wenig runterkommen.

Am Montag Morgen wurden wir gleich um 8Uhr an die Reihe genommen und nach einer halben Stunde war raus. Es waren nicht die Gelenke sondern ledeglich ein Schutzblech unterhalb, welches das komische metallische Geräusch ausgelöst hatte. Dadurch das Bill uns das Auto im einwandfreien Zustand verkauft hatte, wurden die anfallenden Rechnung in der Werkstatt von ihm beglichen. Wir mussten also keinen Cent zahlen. Nach einer abschlüsslichen Probefahrt, in der nun wirklich einwandfreie Zustand des Wohnmobils bestätigt wurde, konnten wir uns nun endlich (wohlgemerkt Montag mittag) auf den Weg in Richtung Kanada machen.

Über etliche Portale fanden wir die Homepage www.Boondockerswelcome.com , auf der Privatleute, die selbst gerne reisen ihre Grundstücke und Parkspots anboten. Dafür musste man einen Jahresbeitrag von 25$ zahlen und hatte keine weiteren Kosten. Wir suchten also auf unserer Strecke in Richtung Kanada nach einer Unterkunft und fanden eine in der Nähe von Springfield, MA. Als wir an dem Grundstück in einer Sackgasse ankamen waren wir angenehm überrascht. Wir parkten unseren Camper und warteten auf die Eigentümer, die uns mitgeteilt hatten, dass sie ein wenig später ankamen.

Wir lernten so Jeff und seine Familie kennen. Sie hatten einen Hund ein schönes Haus mit einem großen Garten in dem Turner sich austoben konnte. Außerdem boten sie uns Strom, Wasser und freies WLAN an und das für keinen Cent. Wir hielten noch einen kleinen Plausch und jeder ging seines Weges. Welch ein schöner Abschluss für diesen Tag. Am nächsten Morgen wollten wir es mindestens bis nach Albany, MA schaffen, um die verlorenen Tage mit gefahrener Strecke wieder aufzuholen. Jeff hatte uns für den Weg noch zwei Geschäfte genannt, bei denen wir eventuell unsere heiß ersehnte Solaranlage finden würden. Der erste Laden "Cabelas" war der Wahnsinn! Noch nie hatten wir beide einen solch riesigen Campingladen gesehen.

Inmitten der Campingausrüstungen, Booten, Gewehren und Kanus floss ein kleiner Wasserfall an ausgestopften Tieren einen Berg hinunter und an der Decke hing eine kleine Propellermaschine. Glück hatten wir denoch nicht. Das einzige was an Solarpanelen da war hatte 15 Watt, was uns definitiv zu wenig war. Nach einem kurzen Stop auf der Campingeigenen Dump Station (Entleer - und Auffüllstation) riefen wir bei dem RV Store an, der kurz vor Springfield, MA lag. Diese hatten anscheinend noch eine Solaranlage also machten wir uns schnellstmöglich auf den Weg. Dort angekommen hatten wir sie schnell gefunden und waren um 726$ leichter.

Auf halber Strecke in Richtung Albany, MA suchten wir erneut nach einer Gelegenheit zum übernachten über Boondockerswelcome. Und wieder hatten wir Glück. Ca. 20 Minuten nach unserer Anfrage bekamen wir eine Antwort und die Bestätigung für unseren nächsten Aufenthalt. Der Ort war ein wenig weiter entfernt und so genossen wir die Fahrt vorbei an Wäldern und kleinen Seen, die überall an dem Highway gelegen waren. Die Straßen wurden leerer und das Wetter wurde schlechter. Nach einem Regenschauer kamen wir bei strahlendem Sonnenschein auf Lauries Farm an. Auf einem kleinen Hügel gelegen hatten wir einen wunderschönen ruhigen Ort zum stehen. Da die beiden selbst in ihrem Camper leben und den Sommer auf diesem Platz stehen, gab es einen Anschluss für Strom und Wasser (was auf der Website gar nicht so da stand). Turner genoss die Zeit auf der riesigen Wiese (20 Hektar Anwesen) und wir kannten wieder neue Einheimische.

Am nächsten Tag planten wir unsere nächste Route nach Rochester (was ca. 80Km vor der kanadischen Grenze lag). Auf der Route lagen die bekannten Finger Lakes was wir uns nicht nehmen ließen und legten einen Stop im Geneva State Park ein. Hier konnte man ausserhalb der Saison kostenlos in den Park. Alle Parks sind mit großen Wiesen angelegt, auf dem die Amerikaner im Sommer ihre BBQ's hielten. Dementsprechend gab es viele Sitzgelegenheiten und Grills. Nach einem ausgedehnten Spaziergang ging es weiter in Richtung Fairport (nahe Rochester), wo wir unsere nächste Übernachtungsmöglichkeit über Boondockers welcome gebucht hatten. Dort angekommen standen wir vor einem riesigen Anwesen mit einem Haupthaus und mehreren kleinen Häusern nebenan. Wir trafen auf Jenn und ihren Mann die eine eigene Firma für Landschaftsbau hatten. Sie erklärten uns was man in der Nähe machen könnte und wiesen uns auf unseren Platz ein (mit Strom und Wlan wohlgemerkt). Nach einer kurzen Verschnaufpause fuhren wir mit dem Taxi nach Fairport (was für 2,5 Milen ganze 18$ kostete) und stiegen im Stadtkern aus. Die Stadt sah sehr malerisch aus und hatte viele kleine Geschäfte und Restaurants. Bei einer kleinen Erkundungstour fanden wir ein Irish Pub indem wir zu Abend aßen. Dann ging es zurück zum Wohmobil und ins Bett.

 Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns noch und machten uns auf in Richtung Nigarafälle. Die “City of Niagara” ist nicht wirklich sehenswert und sieht eher ausgestorben aus. Einen Parkplatz mit “Big B” war auch nicht einfach, da die Parkplätze rundherum nur für Autos erlaubt waren. Über eine kleine Brücke kamen wir auf eine kleine Insel (Dufferin Island), auf dem es auch einen RV Parkplatz gab. Normalerweise kostete das Parken dort 10$ aber da wir noch ausserhalb der Saison da waren kostete es für uns keinen Cent. Top!

Wir nahmen Turner mit durch den Niagara Falls State Park und kamen aus dem staunen nicht mehr heraus. Entlang des Flusses in den die Niagarafälle mündeten waren überall kleine Aussichtspunkte. An den Horseshoe Falls angekommen war nicht so viel los wie wir erwarteten hatten. Das Problem war, von der amerikanischen Seite konnte man weder den Horseshoe Fall noch die American Falls gut von vorne betrachten. Die eigentliche Attraktion des Tages war neben den Falls sowieso Turner, der sich von allen Leuten fleissig streicheln und begrüßen lies. Zurück am Wohnmobil angekommen entschieden wir uns nachdem wir die kanadische Grenze überfahren hatten uns das Spektakel nochmal von der anderen Seite anzuschauen.

Der Grenzübergang war wie erwartet entspannter als die Befragung am Flughafen vom Zollpersonal. Der Herr brauchte lediglich unsere Pässe und versicherte sich einige Male ob wir wirklich nur 2 Personen waren und nicht mehr als 10000CAD mit uns führten. Nach einigen Minuten war alles erledigt und wir hatten endlich Kanada erreicht. Entlag der Falls gab es einige Parkmöglichkeiten aber die für Wohnmobile, war wie auch in Amerika, ein wenig weiter entfernt an Lot C. Wieder einmal war der ausserhalb der Saison kostenlos und menschenleer. Von dort aus gab es allerdings einen Busshuttle, der uns kostenlos bis zu den Niagarafällen fuhr. Von der kanadischen Seite konnte man nun endlich die ganze Schönheit der Fälle betrachten und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. In einigen Blogs hatten wir gelesen, dass man die Tour mit dem Boot direkt zu den Horseshoe Falls unbedingt machen sollte. So ließen wir uns dieses nicht nehmen und für 25,95CAD ging es aufs Boot welches uns geradewegs bis vor die Falls fuhr. Um nicht all zu nass zu werden bekam jeder vor der Abfahrt einen Regenponcho. Wir stellten uns direkt nach vorne um das Spektakel von ganz vorne zu betrachten. Der Wahnsinn! Das muss man erlebt haben. Spektakulärer kann man die Wasserfälle nicht erleben. Das erlebte musste verarbeitet werden und so beshlossen wir mit dem Shuttle wieder in Richtung Wohnmobil zu fahren.

 Wem der Preis, alleine für die Bootsfahrt (25,95CAD) zu teuer ist, der kann sich ebenfalls einen Adventure Pass zulegen (63CAD). In dem Preis sind 4 Attraktionen enthalten (Journey Beyond the Falls, Hornblower Niagara Cruises, White Water Walk und Niagara's Fury). Uns hatte das eine Erlebnis aber gereicht, bei dem man die 285.000 Liter Wasser die Sekunde nahezu einatmet. In der Nähe von Toronto hatten wir ein älteres Ehepaar gefunden, die ebenfalls ihren Stellplatz am Haus anboten. Nach 70km (ja in Kanada gibt es wieder Km Angaben) kamen wir platt am Haus an.

Ländlich gelegen hatten Anne und ihr Mann wieder ein wunderschönes Haus mit riesigem Grundstück. Die beiden kamen gleich raus als sie uns sahen und nach einem gemeinsamen Bier im Haus (die Moskitos hier sind nicht zu unterschätzen) wurden nach einem kurzen Abendessen bei einem weiteren Bier wichtige Tipps zur Reise in Kanada und Amerika ausgetauscht. Es kam heraus, dass die beiden Holländer sind und vor 50 Jahren hier nach Kanada gezogen waren. Der Abend wurde für unsere Verhältnisse lang und wir waren froh, dass es auch noch Menschen gab, die sich nicht nur auf Smalltalkebene mit uns unterhielten. Sie boten uns sogar an noch eine weitere Nacht dort stehen zu bleiben. Für uns ist es echt ein Segen, die Möglichkeit zu haben die verschiedensten Menschen kennezulernen. Natürlich hat jedes Land seine Eigenarten aber wir versuchen uns auf alles einzulassen und hineinzuversetzen.

Wir hoffen, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten viel erleben und entdecken dürfen und sind gespannt, was Kanada so für uns zu bieten hat!

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