Kanada - Ost nach West

4500 km durch Natur und Einsamkeit

Über die Niagarafälle nach Vancouver. Vorbei an Wasserfällen, Wäldern und Wildlife. Was wir dort erlebt haben könnt Ihr im folgendem Blogbeitrag lesen.

4500km quer durch einsame Straßen und unglaublich schöner Natur.
Das war das, was nun vor und lag. Nachdem wir uns von dem netten holländischen Pärchen verabschiedet hatten, ging es in den Norden Richtung Sudbury, wo wir eine ganz angenehme Nacht auf einem Campingplatz direkt an einem See verbrachten. Mitte Mai war hier Gott sei Dank noch nicht all zu viel los.

 

Die nächsten Tage wurde viel gefahren und die eindrucksvolle Natur erforscht. Nach dem ganzen Trubel der letzten Wochen war es auch wieder schön abgelegen an einem ruhigen Platz zu übernachten. Der Trans Canada Highway führte uns bis nach Sault Saint Marie, wo wir die Nacht auf einem menschenleeren Parkplatz verbrachten. Nun waren wir schon einige Tage in Kanada unterwegs und immer noch kein Bär in Sicht.

 

Über die App ioverlander entdeckten wir am Lake Superior gelegen einen kleinen Platz mit einem Wasserfall mitten in der Natur, an dem tagsüber einige Touristen vorbeischauten. Am Abend gesellten sich noch drei weitere Vanlifer zu uns, die aber in „normalen“ Autos übernachteten. Am nächsten Morgen wurde man lieb gegrüßt und wir fuhren weiter am Lake Superior in Richtung Norden. In einer kleinen Stadt hielten wir am „Pebbles Beach“. Der Strand hatte unzählige bunte kleine Steine und war sehr schön anzusehen.

Auf dem Parkplatz entdeckten wir eines der Autos, welches am Abend zuvor neben uns gestanden hatte. Und wie es so kommt, waren Priska und Yannik Deutsche aus Hamburg, die mit ihrem Van ein Work&Travel Jahr in Kanada machten und sich 1 Jahr Auszeit gegönnt hatten.

 

Nach einer Stunde des Kennenlernens, entschieden wir uns gemeinsam weiterzufahren und einen Platz für die Nacht zu finden. In Terrace Bay, was im Norden des Lake Superiors gelegen war, fanden wir einen klasse Platz zwischen Wasserfällen und dem riesigen See der dort sogar einen Strand hatte. Kaum angekommen lernten wir zwei Kanadier kennen mit denen wir ins Gespräch kamen.

Nach einer Weile ging ich rein um Essen zu machen als Stephan einige Minuten später hereingesprintet kam um mir mitzuteilen, dass auf der anderen Seite des Flusses ein Braunbär gerade Baden gehen würde. Voller Aufregung vergaß ich die Kamera und nach einigen Sekunden bestaunen war der Bär wieder verschollen. Merke: Nimm immer eine Kamera mit. Du weißt schließlich nie wann und wo du Sie brauchst.

Am nächsten Morgen ging es weiter in Richtung Nipigon wo wir an einem weiteren See einen kleinen Stellplatz gefunden hatten. Auf dem Weg hielten wir an einer Tankstelle der „First Nation“ Indianer. Die Benzinpreise in Ontario waren mit 1,30-1,50$ für Kanada sehr teuer. Da die Indianer keine Steuern zahlen wurde dieses mit 1,28$ eine günstige Angelegenheit.

 

Am Abend genossen wir den Sonnenuntergang gemeinsam am See und Stephan und Turner trauten sich sogar kurz zum schwimmen in dem See. Was bei 23 Grad Außentemperatur noch nicht all zu angenehm war. Da Priska und Yannik am nächsten Tag in einen Nationalpark wollten und wir über Boondockers Welcome eine Unterkunft bei Privatleuten in Thunder Bay gefunden hatten trennten sich unsere Wege und wir verabredeten uns für drei Tage später.

Hilfe der Keilriemen gibt nach. Aber wir haben ja in Portugal gelernt - Tu was bevor es zu spät ist. Da wir gehört hatten, dass in der nächsten Provinz viel „Nichts“ ist und dort nicht wirklich eine Werkstatt wäre, entschieden wir uns bezüglich unseres Keilriemens nochmal in eine Werkstatt zu fahren. Da unser Wohnmobil von Ford war entschieden wir uns, zu einem Ford Autohaus zu fahren um das passende Ersatzteil anzufordern. Der zuständige Mitarbeiter hatte das Teil aber erst in einer Woche parat und so ging die Suche weiter. In einem Autoteileshop wurden wir von drei netten Herren empfangen. Der Keilriemen war vorhanden uns sie boten uns sogar an, einen Freund anzurufen, der eine eigene Werkstatt hatte und heute eventuell noch Zeit hatte. Zwei Stunden später hatten wir dann unseren Termin. Der Einbau sollte eigentlich noch eine Stunde dauern aber ihm fielen noch andere Kleinigkeiten auf, die wir auf jeden Fall noch mit erledigt haben wollten. Und so wurde aus einer Stunde ganze 4 Stunden. Um die 400$ zahlten wir am Ende aber konnten nun in zwei Tagen die Weiterreise antreten.

In der Nähe von Thunder Bay war unser nächstes Ziel bei einem älteren Pärchen, welches uns freundlich Empfang und uns gleich den Platz auf ihrem Anwesen anbot. Wir hatten uns für zwei Tage eingebucht. Das Pärchen wollte an diesem Wochenende campen gehen. So wurde nach einer 2 stündigen Unterhaltung der Strom angeschlossen und Informationen über die Umgebung an uns weitergegeben und die beiden fuhren vom Hof.

Wäre sowas in Deutschland möglich ? So viel Vertrauen in zwei eigentlich wildfremde Menschen, die uns einfach alleine auf ihrem Anwesen ließen, während sie in den Urlaub fuhren. Hut ab!

 

Am nächsten Tag war ein großer Putztag fällig. Ich kümmerte mich um den Innenraum, während Stephan das Wohnmobil von außen schrubbte. Turner konnte das riesige Anwesen zu seiner persönlichen Spielwiese machen und fühlte sich pudelwohl.

Nach zwei Nächten hatten wir uns mit Priska und Yannik an den Kakabeka Falls verabredet. Nach der Besichtigung der Wasserfälle ging es einen 1 stündigen Trail entlang, der bei der Wärme an dem Tag ziemlich anstrengend war. Nun gab es die Wahl zwischen zwei Routen bis nach Kenora. Wir entschieden uns für die weiter südliche Route, die ein wenig länger dauerte aber weniger Verkehr hatte. Was für uns die beste Entscheidung war denn nach ca 2 Stunden fahrt entdeckten wir einen Elch, der die grüne Wiese am Straßenrand anscheinend sehr lecker fand. Leider waren wir so schnell unterwegs, dass die Kamera nicht so schnell gezückt sein konnte.

 

Natürlich wollen wir euch so viel wie möglich auf Fotos zeigen aber manchmal ist es auch wichtig einfach im Moment zu sein und das zu genießen, was man sieht, ohne sich gleich panisch zu machen, sich nicht mitteilen zu können.
Unsere Nacht verbrachten wir an der Kanadisch-amerikanischen Grenze, in Fort Frances, welches eine super süße Kleinstadt war. Am Abend saßen wir uns an den Fluss und spielten unser Lieblingsspiel Yatzi bevor es dann ins Bett ging. Um Stephan eine Freude zu bereiten ging es am nächsten Tag nach Kenora, wo es eine Welle zum surfen hinter einem Boot geben sollte. In der genannten Firma im Internet wurde uns dann aber gesagt, dass das meist nur in der Hochsaison stattfand. So wurden wir leider enttäuscht.

Da wir schon weiter in Richtung Westen wollten, trennten sich die Wege von  Priska und Yannik. Kaum hatten wir Ontario verlassen und Manitoba erreicht, wurde die Straße super schlecht und 1 Stunde rumpelte alles im Wohnmobil nur so herum. Wir wollten es unbedingt am gleichen Tag noch nach Winnipeg schaffen. Dort angekommen waren es um die 34 grad und so eine hohe Luftfeuchtigkeit, dass man es im Wohnmobil kaum aushalten konnte. Da wir auf dem Walmartparkplatz unser Lager aufgeschlagen hatten, gab es auch keine Klimaanlage.

 

Da kam uns das Gewitter eine Stunde später sehr gelegen. Als wir am Abend in den Nachrichten über unzählige Unfälle und Morde hörten, war uns klar, dass wir uns nicht länger als eine Nacht in der Stadt aufhalten würden. Von Winnipeg ging es am nächsten Morgen weiter auf dem Highway 1. Ca 300 km entfernt fanden wir erneut ein Pärchen bei dem wir auf dem Grundstück unterkommen konnten.

 

Da Stephan schon immer mal sehen wollte, wie Baseball funktioniert fuhr er kurzerhand mit dem Gastgeber zu einem Spiel während ich Turner bespaßte. Nach einer angenehmen ruhigen Nacht auf dem Land ging es die nächsten Tage quer durch die Steppe nach Alberta. Wer also was spannendes sehen möchte, sollte sich vielleicht eher dazu entscheiden durch Montana zu fahren um sich den Glacier national park anzuschauen und spart auch einiges an Benzinkosten. Einige Tage später kamen wir in Calgary an und entschieden uns gleich zur Flusswelle durchzufahren, die zwischen Calgary und dem Banff national park gelegen sein sollte.

 

Aber erst einmal mussten wir einige Male anhalten. Nach so viel Strand und Natur war es einfach atemberaubend von den kanadischen Rockies umgeben zu sein
Wir sahen einige Bergziegen und Coyoten auf dem Weg zum Fluss. An dem Fluss angekommen (von dem wir von Neil auf Facebook erfahren hatten) machten wir uns auf die Suche nach der Welle. Dort angekommen war niemand im Wasser aber anhand der Erklärung, die am Baum hing waren wir am richtigen Ort. Auf dem Rückweg kamen uns zwei Surfer entgegen die uns anboten, uns die Welle zu zeigen. Stephan schnappte seinen Wetsuit und sein Brett aus dem Wohnmobil und verschwand kurzerhand im Wasser. Aus 3 Leuten wurden in den nächsten Stunden 6 Leute und eine nette Surfrunde. Unser Schlafplatz für diese Nacht war ein Parkplatz am Casino. Am darauffolgenden Morgen durften wir endlich Neil kennenlernen, den wir schon über Facebook kennnengelernt hatten und diese Welle, sowie auch andere Wellen, entworfen hatte. Nach einer langen Surfsession wurden wir nach Canmore zum Abendessen eingeladen, was wir uns nicht entgehen lassen konnten. Es wurde eine gesellige Runde mit Surfgesprächen und leckerem Essen.

Am Morgen verabschiedeten wir uns noch von unseren neu gewonnen Freunden und fuhren in Richtung Banff Nationalpark. Wir buchten uns für drei Tage ein und zahlten für 2 Personen ca. 60 CAD (ca. 40€). Zuerst ging es zum Minnewanka Lake, den man ganz umrunden konnten. Wir entschieden uns aber für eine kürzere Route. Auf dem Weg weg begegneten wir erneut einigen Bergziegen und kleinen süßen Chipmunks, die die Scheu vor Menschen schon verloren hatten. Nach der Umrundung versuchten wir im Ort Banff einen Parkplatz zu finden, um die Stadt ein wenig zu entdecken. Es gab zwar einige Stellplätze für Wohnmobile aber keinen einzigen freien Platz. So machten wir uns auf die Suche nach einer nahegelegenen Unterkunft, da man im Nationalpark nicht einfach irgendwo stehen konnte sondern auf einen der ausgewiesenen Campingplätze stehen musste.

 

Am ersten Campingplatz angekommen wurden wir ohne Reservierung gleich abgewiesen aber der nette Förtner gab uns einen Tipp zu einem Campingplatz einige Kilometer entfernt zu fahren, da man sich dort selbst einbuchen musste und dort eigentlich immer ein Platz vorhanden sei. Einige Minuten später erreichten wir den Campingplatz, der noch relativ leer war aber leider auch keine Strom- und Wasserversorgung hatte. Nach einem Self-Check-In konnten wir zumindestens die Laptops in den Waschräumen laden und unsere Fotos und Videos bearbeiten. Da man uns gesagt hatte, dass es bereits ab 9 Uhr schon relativ voll an den begehrten Attraktionen werden könnte fuhren wir am nächsten Morgen gleich um 6:30 Uhr zum Johnston Canyon, wo wir einer der ersten waren. Gemeinsam mit Turner ging es den 2 km langen aber sehr engen Trail am Fluss entlang und endete an den Wasserfällen. Der Canyon war beeindruckend schön und wir konnten die Stille des Morgens geniessen, bis uns dann auf dem Rückweg die Menschenmassen entgegen kamen. Turner hatte trotz der engen Trails keinen Stress und keine Ängste auszustehen. Im Gegensatz zu manchen Menschen die eng an Turner vorbei mussten.

 

Jetzt aber auf zum Lake Louise! Wir wollen ja schliesslich nicht die letzten sein. Als wir ankamen waren noch genügend Parkplätze vorhanden und wir stürmten, ohne viel Zeit zu verlieren zum Lake Louise, um das schöne morgendliche Licht zwischen Bergen und See mit Morgentau bestaunen zu können. Völlig geflasht vom klaren Wasser und dem Spiegeln der Berge und des Horizonts verweilten wir einige Zeit und versuchten einige Fotos zu knipsen.

Auf der Suche nach Grizzlybären machten wir uns auf den Weg ins Skigebiet und fuhren mit einer Gondel hoch auf den Berg. Leider war alles abgezäunt und weit und breit kein Bär zu sehen. Der Zaun galt natürlich dem Schutz der Touristen und nicht um das Wildlife einzusperren.

 

Dort besuchten wir das Wildlifecenter, um ein wenig mehr über das Leben der Grizzlys zu erfahren. Kein Grizzly, kein langer Halt!

Und so versuchten versuchten wir unser Glück auf dem Icefield Parkway, der die beiden Nationalparks Jasper und Banff miteinander verbindet. Unterwegs hielten wir an einigen Seen, die durch das Gletscherwasser so unwirklich erscheinten bevor es für uns dann in Richtung Parkausgang ging. Die Strecke von da aus war so kurvenreich und teilweise sehr steil, dass wir selbst mit 250PS ab und an nur langsam voran kamen. Dennoch war die Strecke gut ausgebaut und wirkte sehr sicher. Aber auch da kein Grizzly und wir hatten das Gefühl, Grizzlys sind wie Bigfoots - wohl einfach ein Fabelwesen ;) !

 

Nachdem Banff uns so begeistert hatte, wurde es Zeit weiterzukommen und so fuhren wir die Rocky Mountains in Richtung Vancouver ab um dort die Grenze in Richtung USA zu passieren. Der Weg war gespickt von unterschiedlichsten Landschaften und das auf wenige hunderte Kilometer verteilt. Von Bergen bis Wälder über Wüste zu Drehorten "Rambo" bis wir schliesslich Vancouver und den US Boarder erreichten.

 

Man hörte viel vom US Boarder und so waren wir gespannt auf das was uns dort erwartete.

Aber das lest ihr in unserem nächsten Blogbeitrag.